Lego bauen im Workshop: Wie Scrum funktioniert — Empolis Blog

Lego bauen im Workshop: Wie Scrum funktioniert

0

Wie wird heutzutage komplexe Software in der IT-Branche eigentlich entwickelt? Ein Vorgehensmodell, das sich dabei zunehmend durchgesetzt hat, ist Scrum.  

 

Definition Scrum

Scrum (englisch für „[das]Gedränge“) ist ein Vorgehensmodell des Projekt- und Produktmanagements, insbesondere zur agilen Softwareentwicklung. Es wurde ursprünglich in der Softwaretechnik entwickelt, ist aber davon unabhängig und wird inzwischen in vielen anderen Bereichen eingesetzt. Es ist eine Umsetzung des Konzepts Lean Development für das Projektmanagement.

– weitere Informationen bei Scrum-Master.de

Anfang des Jahres führte ich, in Kooperation mit bonding Kaiserslautern, mit 7 Studenten einen Scrum-Workshop an der TU Kaiserslautern durch. Dabei wurden mithilfe des Baus eines Lego-Traktormodells die wichtigen Phasen der Produktentwicklung experimentell durchlaufen.

Wir unternahmen dabei eine eintägige Entdeckungsreise, die uns an einigen agilen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte. Wir setzten uns zum Ziel, auf agile Art und Weise, einen Traktor entlang von Kundenanforderungen in Lego zu bauen. Folgende Sehenswürdigkeiten wollten wir dabei mitnehmen:

  • Bei Personas wollten wir entdecken, wie wir uns mit unserem Anwender identifizieren können.
  • Die User Story wollten wir besichtigen, um die wichtigen Tätigkeiten, Probleme und Ziele unserer Personas zu verstehen.
  • Story Maps halfen uns die Orientierung zu behalten. Bei der Lösungsfindung hatten wir die Storys unserer Personas immer im Hinterkopf – sie waren der Kompass, der uns in Episoden zum Ziel führte.
  • Magic Estimation Games ermöglichte uns die effiziente Verwaltung unseres Budgets: Wir hatten ja ein Ziel zu erreichen. Teure Zwischenstopps konnten wir uns bei einem Tag nicht leisten.
  • Das Minimal Viable Product sollte unser Resultat sein, mit dem unser Anwender sein Problem löst.
  • Scrum lieferte uns das Vehikel, mit dem wir unsere Reise antraten: der Sprint.

Folgende Dinge hatten wir in unserem Rucksack

Vorbereitung für den Scrum Workshop: Viele leere Post-It Klebezettel
Karten – viele Karten – um alles zu erfassen, was wichtig ist. Wir waren mit 8 Leuten unterwegs, es wurde viel gesprochen. Um sich an wichtige Themen, Storys, Ziele und Einschränkungen zu erinnern, sind Moderationskarten beim Reisen essentiell. Fast so wichtig wie Handtücher. 😉

 

Der Scrum Timer (Prinzip "Eieruhr")
Ein Time Timer, der uns das fokussierte Arbeiten in Time Boxes erlaubte.

 

Personas des Scrum Workshops
Unsere Personas beschrieben uns die Anwender: Bob Owner und Bill Worker.

  • Bob Owner kaufte unsere Lösung, Bill Worker nutzte sie.
  • Bob wollte Kosten sparen, Bill wollte bequemer arbeiten.

Es war nicht immer einfach, beide zufrieden zu stellen.

User Storys, Story Mapping & Co. im Scrum-Workshop

Problembeschreibung im Scrum WorkshopDie Anforderungen der Scrum-Personas visualisiert

Bob Owner und Bill Worker hatten folgende Anforderungen:

  1. Bob Owner besaß ein Stück Wald im Sumpf. Er wollte das Holz aus dem Wald verkaufen.
  2. Bill Worker holte das Holz aus dem sumpfigen Wald und lieferte es Bob vor seine Hütte.

Wir erfassten die Wünsche von Bob und Bill über User Storys und schrieben diese auf Karten. Sie brachten Bob und Bill ein einfaches Muster bei, ihre komplexen Gedanken zu verfassen. Im Fokus stand das zu erreichende Ziel. Manchmal konnten wir Bob und Bill davon überzeugen, dass sie ihre Ziele ohne das gewünschte Feature erreichen konnten.

Scrum User StoriesDas Scrum-Template für die User Storys

Es ergab sich für jede Persona, Bill und Bob, eine Story Map, die uns ihre Tätigkeiten genauer darstellte. Das Gute war: Wir bemerkten schnell, wenn wir etwas nicht verstanden hatten und konnten gezielte Fragen stellen. Selbst Bill und Bob merkten, dass diese Vorgehensweise half, ihre Anforderungen zu beschreiben.

Scrum-Storymapping im Workshop an der TU KaiserslauternStory Map von Bob OwnerStorymap im Scrum-WorkshopStory Map von Bill Worker

Wir ergänzten Bill und Bobs Story Maps um unsere Lösungsvorschläge. Ein Vorschlag – eine Karte. Anschließend wählten wir die Karten aus, die unser Minimal Viable Product darstellten, welches wir heute bauen wollten. Wir waren beeindruckt davon, wie groß die Story Maps und wie klein unsere Auswahl schließlich waren.

Scrum Workshop: Festlegung des Minimum Viable Product (MVP)Gruppen-Diskussion: Was kommt ins Minimum Viable Product (MVP)?

Es ging an die Schätzung des Aufwands. Initial hatten wir keine Ahnung, wie aufwendig das Bauen eines Feature sein würde. Deshalb orientierten wir uns bei der ersten Schätzung an der Seitenzahl in der Lego-Anleitung. Der erste Sprint würde ergeben, wie viel wir schaffen würden.

Aufwandschätzung im Scrum WorkshopWorkshop-Schätzung: Was kostet uns wie viel Zeit?

Jetzt hatten wir alles, was wir brauchten. Die Story Map war unser Backlog, das Estimation Board zeigte uns den Aufwand. Der erste Sprint konnte geplant beginnen. Unsere Kapazität schätzten wir im ersten Anlauf natürlich viel zu hoch ein.

Infolge der Sprints wurde unsere Workbench immer ordentlicher. Wir legten an Velocity (Geschwindigkeit) zu.Szenen des Scrum-Sprints

Szenen des Sprints im Scrum Workshop

Die Arbeiten wurden effizienter verteilt, wodurch wir am Schluss Bestände aus Baugruppen aufbauten, die im Folge-Sprint direkt verbaut werden konnten.

Arbeitsteilung im Scrum Workshop

Unser erster Shipable Increment war endlich fertig. Wir benötigten leider 5 Sprints à 15 Minuten, bis sich ein erster Business Value zeigen konnte. Dennoch: Bill und Bob waren begeistert!

Shipable Increment in Scrum: Halbfertiger aber nutzbarer Lego-TraktorNoch nicht fertig, aber potenziell nutzbar: Das Shipable Increment

 

Ziel erreicht: Fertiges Minimum Viable Product (MVP)

Der fertige Scrum MVP: Ein Lego-ModellDas Minimum Viable Product ist fertig!

Am Ende des Tages konnten wir Bill und Bob unser Minimal Viable Product präsentieren. Obwohl sie am Anfang noch skeptisch waren, überzeugte sie doch der „volle“ Sound des Traktors nach dem Anschalten.

Zufrieden beendeten nun auch wir unsere Reise. Wir hatten viel gesehen und unser Ziel erreicht.
Ein guter Tag.

Die Teilnehmer des Scrum-WorkshopsAlle Teilnehmer des Scrum-Workshops an der TU Kaiserslautern

Wir bedanken uns herzlich beim bonding-Team für den Raum, Getränke und all die Mühe und Unterstützung, die uns zu diesem Erfolg gebracht haben.

 

 

Sie möchten alle Informationen rund um KI und Big Data druckfrisch erhalten? Das Blog-Abo ist für Sie da.

 

Teilen:

Über den Autor

Benjamin Adrian

Dr. Benjamin Adrian ist als Produktmanager bei Empolis für die Empolis Smart Cloud verantwortlich. Dr. Adrian promovierte am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz über die semantische Analyse von Texten. Seit 2015 ist er bei Empolis tätig und hat unter anderem Knowledge Packs als Mittel zur Konfiguration von Semantischen Indexierungs- und Suchverfahren im Information Access System und der Empolis Smart Cloud konzipiert. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie und programmiert kleinere KI-Anwendungen.

Sagen Sie Ihre Meinung!