Dem holprigen Weg ins digitale Zeitalter klar ins Auge sehen!

Transformation, Revolution, Evolution…?
Dem holprigen Weg ins digitale Zeitalter klar ins Auge sehen!

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Transformation, Revolution, Evolution | empolis.com

Aufmerksame Leser der Wirtschaftsteile von Zeitungen und Magazinen gleich welcher Couleur, bemerken seit einigen Jahren ein wohliges Erschauern der Journalisten vor den Auswirkungen der Digitalisierung bzw. der Digitalen Transformation, welche die fortgeschritteneren Teile der Weltwirtschaft schon fest im Griff haben.

Und nicht nur im Ressort Wirtschaft wird über dieses Phänomen eindringlich diskutiert, gestritten und – ja man muss es so nennen – lamentiert. In den Feuilletons echauffieren sich Philosophen, ob die Künstliche Intelligenz bald den Übermenschen kreiert, in den politischen Seiten geben sich Politiker des gesamten Spektrums den Staffelstab in die Hand und – je nach Verortung  – preisen sie die Digitalisierung als neuen Schub für Wirtschaft und Wachstum und als Garant für weltweite Entwicklung und Wohlstand oder als spätkapitalistisches Schreckgespenst, welches die abhängig Beschäftigten weiter entmündigt und große Teile der Bevölkerung in die Arbeitslosigkeit treiben wird. Gesellschaftswissenschaftler warnen vor den sozialen Konsequenzen einer 2/3-Gesellschaft und der Vereinsamung des Einzelnen vor dem bunt flimmernden Monitor (respektive Tablet). Selbst im Vermischten liest man Geschichten darüber, dass wir bald mit Maschinen Sex haben werden oder wir beim Verlassen der Wohnung am Morgen kurz an Alexa (oder Siri oder Cortana oder …) unsere Wünsche für das Abendessen hinterlassen.

Die Frage, die sich mir nun stellt ist nicht die, ob die Digitale Transformation aller Lebensbereiche Folgen für das menschliche Leben und Wirtschaften und die damit verbundenen Gesellschaftsmodelle haben wird (das wird sie ohne Zweifel), sondern: Warum wundern wir uns so sehr und verfallen geradezu in eine digitale Hysterie? Sind wir ehrlich so naiv zu glauben, dass solche Transformationen bzw. Revolutionen (um dem oft bemühten Sprachbild der Industriellen Revolution Genüge zu tun) irgendetwas besonderes sind? Sind sie nicht!

Die Menschen haben zwei faszinierende Eigenschaften: Erstens vergessen sie gerne unangenehme Dinge (insbesondere die, die sie nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen) und zweitens vergleichen und erklären sie sich immer Unbekanntes mit Bekanntem, was eigentlich schon aus formal-logischen Gründen unmöglich ist. Der Mensch vergleicht sich und seine Umwelt immer mit bekannt Menschlichem. Haben Sie sich nicht schon mal gefragt, warum Aliens in den allermeisten Fällen irgendwie anthropomorph dargestellt werden? Oder frei nach Feuerbach, sind unsere Götter nicht immer (Ideal-)Bilder unserer selbst? Könnten sich Vögel Götter vorstellen, hätten diese bestimmt Flügel. Wir gehen also immer von dem aus was wir kennen bzw. für selbstverständlich halten und stellen uns Unbekanntes, also auch Zukünftiges, als Variation des Bekannten vor. Um noch einmal diese wunderbare Sentenz[1] zu bemühen: „Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen“. Und die Kombination dieser beiden oben beschriebenen Eigenschaften bringt dann solche manchmal doch sehr irrationalen Meinungsäußerungen, Vorhersagen und Weltuntergangsszenarien respektive Utopien hervor, wie wir sie allenthalben lesen und hören können. Nehmen Sie sich mal ein Buch aus den 30er oder 50er Jahren mit dem Titel: „Die Welt im Jahre 2000“ zur Hand – viel Spaß dabei!

Als Beispiel nehme man unser aktuelles Wirtschaftssystem, welches direkt mit unserem westlichen Gesellschaftssystem verbunden ist (dank der Globalisierung schon fast weltweit verbreitet, überlagert und durchdrungen natürlich mit den Besonderheiten der regionalen Kulturen). Wenn man weiterhin von einer kapitalistischen, auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsweise, mit einer (mehr oder weniger großen) sozialen Abfederung am unteren Ende und einer kleinen quasi von Politik und Nationalstaaten unabhängigen Wirtschafts- und Geldelite am oberen Ende ausgeht, sind viele der postulierten Untergangsszenarien sicher nicht nur reine Phantasie. Die Digitale Transformation wird durch die Notwendigkeit von Wissen, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sowie schnellem und risikoaffinem Kapital einerseits eine digitale Elite aus den bildungsfähigen und -willigen Bevölkerungsteilen und immer flüssigen Kapitalgebern (Blackrock weiß aktuell nicht wohin mit seinen 5,7 Billionen zu verwaltenden $$) schaffen und andererseits durch die neuen Möglichkeiten der Hyperautomatisierung ein unbeschäftigtes (aus kapitalistischer Sicht also nutzloses) Proletariat schaffen, welches wie im alten Rom nach panem et circenses ruft (circenses in Form von vollvirtuellen, mit augmentierter Wirklichkeit versehenen Computerspielen). Oswald Spengler wäre stolz auf uns! Auf eine solche schön-schauerliche Version des Untergangs des Abendlandes wäre er nie gekommen.

Aber hat diese Dystopie, neben vielen anderen denkbaren (lesen Sie die Zeitungen), irgendeinen Anspruch darauf, Wirklichkeit zu werden? Ich bin sicher – nein!

Warum bin ich dieser Meinung? Genau aus den oben genannten Gründen: Der Mensch vergisst das Unangenehme und mischt das Bekannte mit einer Zukunftsprognose auf Basis des Bekannten, extrapoliert dies in die Zukunft und baut daraus eine wahrscheinliche zukünftige Realität. Und das hat – mit Verlaub – noch nie geklappt. Drei Beispiele hierzu:

Meinen Sie, die Einwohner des Römischen Reiches im Jahre 100 nach der Zeitenwende, konnten sich ein über die soziale Marktwirtschaft abgefedertes kapitalistisches Wirtschaften wie wir es heute vorfinden, vorstellen? Trajan war zu dieser Zeit als der 12. Nachfolger des Augustus als absoluter und völlig unbeschränkter Herrscher an der Macht (Ludwig der XIV konnte von einer solchen Macht nur träumen). Nach ca. 800 Jahren einer auf Sklaverei basierenden Wirtschaft, andauernder imperialer[2] Expansion mit dauerndem militärisch beschafftem Ressourcenwachstum, der Pax Romana und der völlig selbstverständlichen Ausbeutung der Provinzen (im Austausch gegen die Pax Romana), war dieses Wirtschaften als einzig mögliches Wirtschaftssystem in den Köpfen der Römer fest verankert. Arbeitskräfte waren weitestgehend kostenfrei (man kaufte sie einmalig oder fing sie ein), Banken waren unbekannt, benötigte man neue Ressourcen, eroberte man weitere Länder. Eine kleine Elite herrschte über Millionen von Plebejern, die zumindest in der Stadt Rom ohne Beschäftigung waren und panem et circenses riefen (diesmal circenses im Amphitheatrum Flavium bzw. Kolosseum, welches damals nagelneu und selbst für römische Verhältnisse eine Sensation war) und sich völlig selbstverständlich und frei moralischer Skrupel an tödlichen Gladiatorenkämpfen ergötzten. Wenn man seit 800 Jahren über viele Generationen ein solches Wirtschafts- und Sozialsystem lebte, kann man sich schlichtweg eine Zukunft, die auf gleichen Rechten für alle, körperlicher Unversehrtheit, regelmäßiger bezahlter Arbeit, Ächtung von Kriegen, gleichberechtigtem Zusammenleben verschiedener Staaten oder gar so etwas Abstraktem wie Menschenrechten, nicht vorstellen. Man würde eine Zukunft prognostizieren, die zumindest auf gleicher Basis wie das seit hunderten von Jahren Bekannte fußt. 376 Jahre später waren die Römer doch etwas verwundert, dass ihr Reich (zumindest im Westen) mit etwas Hilfe der germanischen Barbaren sehr schnell unterging und sehr wenig von den unverrückbar geglaubten Selbstverständlichkeiten übrig blieb.

Wussten Sie, dass die niederländische Wirtschaft beinahe mal an Tulpenzwiebeln zu Grunde gegangen ist? Nein? Sehen sie! Um ca. 1520 wurde die Tulpe aus dem Osmanischen Reich in die Niederlande eingeführt. Die Niederländer verstanden es wie kein anderer in Europa, diese schwierig zu züchtende Pflanze bei sich zu kultivieren, besondere Sorten zu züchten und diese Pflanze sehr beliebt unter den wohlhabenden Bürgern und Adligen Europas zu machen. Die niederländische Tulpe war etwas Besonderes und nur die Niederländer konnten Tulpen so züchten, dass sie etwas Besonderes waren. Die Preise stiegen und stiegen und die Leute bekamen nicht genug von der niederländischen Tulpe – sie war der Mercedes unter den Tulpen (Achtung, dieses Bild hat einen Grund – sie merken was?). Knapp 120 Jahre später um 1636/37, nachdem sich die Niederländer wunderbar in ihrer Tulpenpracht eingerichtet hatten, und mehr als der halbe Staat von der Tulpenzucht profitierte und lebte, kam der Zusammenbruch[3]. Die Preise gingen ins Bodenlose und die gesamte niederländische Wirtschaft erlebte einen Niedergang. 120 Jahre hatten gereicht den Glauben daran zu manifestieren, dass Tulpen und die entsprechende Wirtschaftsweise einzig seligmachend sind. Kein Niederländer hätte 1620 gedacht, dass die Zukunft ohne Tulpen sein könne.

In der Endphase der Napoleonischen Kriege um 1812/13 führten  in England die Ludditen einen aus ihrer Sicht lebensnotwendigen aber aussichtslosen Kampf. Ihre Gegner waren Webstühle, bzw. allgemein die ersten dampfgetriebenen Maschinen der englischen Textilindustrie. Die Ludditen, nach Ihrem Anführer Ned Ludd benannt, waren kein Lumpenproletariat, sondern hochbezahlte spezialisierte Facharbeiter in der Textilbranche, die meist in Heimarbeit und in kleinen Manufakturen als Strumpfwirker, Kattundrucker, Baumwollweber oder Tuchscherer arbeiteten. Sie waren die Elite der Arbeiterschaft. Und dies seit vielen Generationen. Mit der sogenannten ersten industriellen Revolution war diese Zeit abrupt zu Ende. Keiner von ihnen konnte sich vorstellen, dass er (bzw. seine Nachkommen) als zukünftiger Ingenieur oder Mechaniker gerade mithilfe der Maschinen wieder eine herausragende Stellung in der Hierarchie der abhängig Beschäftigten einnehmen könnte. Ihre Vorstellungswelt war in ihrer Wirklichkeit verhaftet und diese projizierten sie in die Zukunft auf Basis ihrer Erfahrungen der sie jetzt bedrohenden Maschinen und dem was man damals von den Maschinen erwartete.

Sie sehen – alles schon mal dagewesen, die gleiche Reaktion, die gleiche Weltuntergangsstimmung, die gleichen Dystopien. Und – ist die Welt untergegangen? Nein! Leben wir heute nicht in einer Welt, die einem Großteil der Weltbevölkerung eine Sicherheit und einen Wohlstand bietet, von dem die Bevölkerung vor 500, 200 oder auch nur 100 Jahren keinerlei Vorstellung oder Begriff hatte?[4]

Das Problem ist, alle diese Menschen, die befürchteten und Angst davor hatten, dass ihre Welt untergeht, hatten – aus subjektiver Sicht – absolut recht. Es gibt heute keine Sklavenhalter und römischen Patrizier mehr, es gibt keine Ökonomie, die rein auf Tulpenzucht beruht und alle die damals in den Niederlanden davon abhängig waren, sind damals verarmt; und es gab in England nur einige Jahre nach 1820 keine Strumpfwirker, Kattundrucker, Baumwollweber oder Tuchscherer als Elite ihrer Zunft mehr – diese und ihre ersten Nachkommen sind zu einem Subproletariat herabgesunken bzw. wurden als einfache ungelernte Arbeiter von der aufstrebenden britischen Industrie aufgesaugt.

Dieses Faktum ist etwas, was weder die digitalen Zukunftsapologeten, die (meisten) Journalisten und am allerwenigsten die Politiker offen sagen oder wahrhaben wollen. Die Digitale Transformation ist keine Revolution mit beschränkten Ausmaßen sondern ein globaler Evolutionsbeschleuniger im wahrsten Sinn des Wortes Evolution[5]. Die werden überleben, die sich der sich verändernden Umwelt am besten und schnellsten anpassen können bzw. die besten Voraussetzungen für eine Anpassung haben, wobei keiner weiß, wie die zukünftige Umwelt aussehen wird, welche Fähigkeiten genau das Überleben sichern und wer die Gewinner sein werden – es sollte sich also keiner sehr sicher fühlen. Es wird ein sehr holpriger Weg werden, bei dem viele vom Wege abkommen, auf der Strecke bleiben und nicht mithalten können. Und keiner sollte davon ausgehen, dass unsere aktuelle Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme Bestand haben; es wird einen Postkapitalismus und vielleicht sogar Posthumanismus in einer vollständig digitalisierten Welt (falls die Trumps nicht überhandnehmen) geben – über die wir keinerlei Vorstellung haben können.

Da wir wissen, dass dem Lauf der Geschichte (nein – nicht der Weltengeist im hegelschen Sinne), ein paar römische Sklavenhalter, niederländische Bankiers mit Tulpengeld, englische Weber oder deutsche Facharbeiter in der klassischen Automobilindustrie, völlig schnuppe sind, müssen wir zumindest versuchen, unsere gesellschaftliche Verantwortung zu sehen und wahrzunehmen und für die, die hinten runterfallen werden, den Aufprall erträglicher zu machen, als es für die englischen Weber war. Wir müssen endlich offen aussprechen, dass die Digitale Transformation ein evolutionärer Prozess ist, der Opfer kosten wird und uns überlegen, wie wir als Gesellschaft den nicht zu stoppenden, nicht zu lenkenden und nicht vorherzusagenden Wandel begleiten und versuchen, kommende Härten zu relaxieren. Es besteht ja tatsächlich die vage Möglichkeit, dass in 150 Jahren die Menschen sagen, dass sie in einer so sicheren und wohlhabenden Welt leben, wie es Menschen noch nie vorher erlebten und sich fragen, wie Menschen in einer kapitalistisch orientierten sozialen Marktwirtschaft nur leben konnten.

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[1] Je nach Laune mal Mark Twain, mal Winston Churchill, und mal Kurt Tucholsky zugeschrieben.

[2] Unbedingt lesen: http://www.faz.net/aktuell/wissen/archaeologie-altertum/was-ist-ein-imperium-zum-1900-todestag-trajans-15137858.html

[3] So richtig weiß bis heute noch keiner warum…

[4] Unbedingt lesen: http://www.chbeck.de/Harari-Noah-Homo-Deus/productview.aspx?product=17388138

[5] Die Dinosaurier könnten uns hier Nachhilfe geben…

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Über den Autor

Christian Schulmeyer

Dr. Christian Schulmeyer ist neben der Weiterentwicklung des erfolgreichen Geschäftsmodells insbesondere für die Erschließung neuer Märkte und den Ausbau strategischer Kooperationen mit führenden Unternehmen verantwortlich. Der Wirtschaftsingenieur war zuletzt bei der Telekom Deutschland GmbH als verantwortlicher externer Projektleiter des Telekom Internet-Shops und des Hilfe&Support-Portals tätig. Weitere Erfahrungen im Bereich Service- und Customer Care Management sammelte er unter anderem in internationalen Projekten der T-Online International AG (heute wieder in die Deutsche Telekom AG eingegliedert) und der Bosch Telecom GmbH. Darüber hinaus ist Dr. Christian Schulmeyer seit vielen Jahren erfolgreich mit seiner eigenen Firma Schulmeyer & Coll. in der Management-, Technologie- und Strategieberatung im Software- und Internetumfeld tätig.

2 Kommentare

  1. Guter Beitrag, Herr Dr. Schulmeyer!

    Ich lese gerade „What technology wants“ von Kevin Kelly. Kelly versucht darzulegen, dass sowohl in der biologischen als auch in der technologischen Evolution viele Entwicklungen zwangsläufig sind. In der Biologie führt er auf, dass sich gewisse Funktionen / Organe an verschiedenen Orten unabhängig genau gleich entwickelt haben, was in einem regulären Evolutionspürozess (genetische Veränderung / natürliche Selektion) unwarscheinlich wäre. Besonders interessant ist hier die Entwicklung des Auges, das erst dann zu einem Überlebensvorteil einer Art wird, sobald es vollständig in seiner Funktion ausgeprägt ist. Allerdings dauerte es hunderte Generationen, bis das Auge sich tatsächlich zu seiner Nützlichkeit entwickelt hat, und zwar mit vielen Zwischenschritten, die keinen weiteren Nützlichkeitsvorteil mit sich brachten.

    In der technologischen Evolution (dem „Technium“) verweist Kelly auf die immer vorhandenen parallelen Entwicklungen. Vom zur Jagd benutzten Blasrohr bis zur Glühlampe und dem erste universell programmierbaren Computer etc – sind parallele Entwicklungen die Norm und nicht die Ausnahme in der Patentgeschichte. Sobald die technischen Grundlagen für den jeweils nächsten Schritt existieren, ist es fast zwangsläufig, dass er erfolgt.

    Kelly ist davon überzeugt, dass die technische Entwicklung ein Eigenleben führt – unabhängig vom einzelnen Erfinder/Genie. Letzterer ist zwar für die individuelle Ausgestaltung wichtig. Aber selbst wenn Charles Babbage und Konrad Zuse nicht gewesen wären, wir hätten dennoch heute digitale Rechner.

    Ihr Punkt, Herr Schulmeyer, ist aber zentral: trotz der möglicherweise zwangsläufigen technologischen Entwicklung, liegt es an uns, wie wir diese Technologie nutzen wollen und wie wir ihre Früchte verteilen. Die derzeitige Plattformökonomie mit ihrer extremen Polarisierung der Technikerträge ist nicht zwangsläufig gegeben. Wahrscheinlich ist sogar für die derzeitigen Hauptbegünstigten eine weitere „Öffnung der ökonomischen Schere“ nicht wünschenswert. Wenn alle Erträge bei Zuckerberg und wenigen an der digitalen Front verbleiben würden“, wer hätte noch Geld, um digitale Produkte/Dienstleistungen zu kaufen? Eine große Verarmung ehemals Werktätiger (siehe USA) oder ein Armbleiben von nie werktätig Gewesenen (in manchen Bereichen Afrikas) könnte zu politischen und sozialen Unruhen führen. Es braucht neue Konzepte für das Verständnis von geldwerter Arbeit. Wenn immer mehr Produkte – mit Hilfe von „intelligenten“ Maschinen – von immer weniger Menschen hergestellt werden können, dann muss unser Augenmerk auf Tätigkeiten gelenkt werden, die nützlich sind, bislang kaum als ökomomisch tragbar galten (Betreuung von Kindern, Alten, Kranken, Kultur, Kunst, Freizeit)

    • Carl Henning Reschke am

      Wieso ist die parallele Entwicklung gleichartiger Organe oder Formen (Homologie) in einem evolutionären Prozess unwahrscheinlich? Verschiedene Versuche. Ähnliches Problem. Ähnliche Lösung. Nicht zwingend, aber hinreichend oft, um aufzufallen.

      Das Auge braucht auch nicht voll entwickelt zu sein, einen (immer nur) relativen Anpassungsvorteil zu bieten. Hell – dunkel Unterschiede wahrzunehmen hat z.B. Vorteile gegenüber keiner Wahrnehmung. Das Prinzip über tausende Iterationen ist sehr kreativ.

      Darauf baut die Marktwirtschaft auch auf: Varianten, Ausprobieren, Feedback, Anpassen, Wiederholen.

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