User Experience (UX) für die Cloud: Strategien für das Rennen um Cloud-Kunden — Empolis Blog

User Experience (UX) für die Cloud: Strategien für das Rennen um Cloud-Kunden

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User Experience für die Cloud: Strategien wie Design Thinking, Agile Development und Lean UX

Im ersten Teil des Beitrags haben wir die Bedeutsamkeit einer guten User Experience (UX) für den Erfolg von Cloud-Applikationen herausgestellt, getrieben durch die allgemein steigende Erwartungshaltung und die Freiheit, Applikationen und Anbieter in Mietmodellen leichter zu wechseln.
Bleibt also die Frage: Wie erklimmt man als Cloud-Anbieter nun diese Stufen hin zur User Experience mit WOW-Effekt? Welche Strategien eignen sich dafür?

UX-Entwicklungsstrategie für Cloud-Anbieter

Hier kann man getrost aus dem Erfahrungsschatz und dem Start-up-Spirit der letzten Jahre lernen. Neben der Goldgräber-Stimmung der Start-ups auf der ganzen Welt (wie Airbnb, Uber oder Dropbox) haben sich neue Leitsätze der Gestaltung, flexible Geschäftsmodelle und ein gutes User Interface Design als Erfolgskriterien herauskristallisiert.

Die agilen Methoden, Design Thinking und Lean-Start-up-Ansätze in der Produktentwicklung dieser Unternehmen fokussieren sich alle auf einen Punkt:

Finde heraus, was deine Nutzer brauchen, welche Probleme sie lösen müssen, und überprüfe möglichst schnell deine Annahme.

Es kommt vor allem darauf an, nicht lange zu konzipieren, sondern so schnell wie möglich durch eine gute Anforderungsanalyse und Interviews einen Prototyp oder eine Beta-Version an den Markt zu bringen. Der Produktzyklus soll so weit wie möglich reduziert werden, sodass mithilfe des Kundenfeedbacks schnell auf Wünsche oder Änderungen reagiert werden kann, ohne dass dem Unternehmen große Kosten entstehen.

Die Bereitstellung einer Anwendung über die Cloud punktet genau hier: Schnelles Verproben, kontinuierliches Verbessern und problemlose Updates sind über die Cloud einfach möglich. Dies liefert schnell das notwendige Feedback zur User Experience, die für eine kontinuierliche Verbesserung des Produktes nötig ist.

Material Design – Baukasten und Best Practice

Material Design: Ein Beispiel und Strategie für User Experience Design (UXD) in der Cloud

Am Beispiel der offiziellen Guidelines-Seite: Wie Cards im Material Design aussehen
(Screenshot: material.io)

 

Die Erwartungshaltung an einheitliche Gestaltung und klare Interaktionsprinzipien wurde in den letzten Jahren besonders durch Googles neue Designphilosophie Material Design geprägt.

Wie es der Name bereits verrät, spielt der Begriff Material die Hauptrolle. Dieser wird als Metapher für die verschiedenen Bestandteile der Oberfläche, wie etwa Buttons und Flächen, genutzt. Ziel ist es, mit Material Design durch Kontraste, Animationen und verschiedene übereinanderliegenden Ebenen eine natürliche und plastische Benutzeroberfläche zu gestalten. Durch diese neue Designsprache sieht der Nutzer auf einem Blick, was er machen kann bzw. gerade getan hat. Alles, was vom Inhalt ablenkt und nur dekoriert, wird weggelassen.

Die Lernkurve der Nutzer ist dank der einheitlichen und nachvollziehbaren Bewegungsabläufe der Animationen enorm. Die klaren, einfarbigen Flächen vereinfachen die Navigation und die reduzierte Zahl der Objekte macht Inhalte besser lesbar. Das sogenannte Cross Platform Design liefert dazu das einheitliche Erlebnis für jedes Gerät und jede Bildschirmgröße. Denn spätestens die nächste Generation der Digital Natives wird eine klare Erwartungshaltung zur Nutzung von mobilen Geräten und klaren Gestaltungsprinzipien haben.

Was leistet gute UX für Cloud-Produkte?

1. Vertrauen schaffen

Eine besonders wichtige Strategie für Cloud-Produkte ist die Vertrauensgewinnung und -stärkung. Nutzer sind im Privatbereich mit ihren persönlichen Daten bereits durch regelmäßige Meldungen zu Datenlecks und Hackerangriffen sensibilisiert. Einer Business-Anwendung werden darüber hinaus geschäftskritische Daten anvertraut. Umso wichtiger ist es, das Vertrauen der Nutzer durch eine gute User Experience zu unterstützen.

2. Gefühlten Datenschutz erhöhen

Vertrauen in die Cloud ist an erster Stelle ein Vertrauen in die Sicherheit der Daten. Neben den technischen Anforderungen für das Maximum an Sicherheit, möchte auch der Nutzer sicher sein, dass seine Aktionen richtig und sicher sind. Ein gut strukturiertes User Interface und eine klare Nutzerführung erhöhen neben den technischen Maßnahmen vor allem das empfundene Vertrauen in Datensicherheit.

3. Meaningful Brands aufbauen

Das Markenvertrauen hat sich die letzten Jahre stark gewandelt. Ein Produkt ist nicht mehr vertrauenswürdig, nur weil dieses von einem namhaften Hersteller kommt. Manche Marken bekommen immer noch Vorschusslorbeeren für ihre Produkte, aber ein Produkt ist auf Dauer nur gut, wenn es Probleme löst und einen gewissen Joy of Use weckt.

 

4. (Kauf-) Entscheidungen vereinfachen

Im privaten Bereich entscheidet die UX, ob ein Nutzer einer Webseite bzw. einem Webshop vertraut, und beispielsweise dort einen Mantel kauft. Ärgernisse eines Konsumenten durch schlechte UX beim Einkauf führen aber nur in der Masse zu Problemen für den Anbieter.

Das vorhandene Vertrauen in Entscheidungen, mithilfe von Anwendungen für den Business-Bereich, kann jedoch auch im Einzelfall geschäftskritische Auswirkungen haben und mit einem Schlag enorm viel Geld kosten:

  • Ein aufwendiger und teurer Austausch eines Motors, weil die Diagnosesoftware nicht auf ein günstigeres oder defektes Bauteil hingewiesen hat.
  • Der Stillstand einer Anlage, weil Techniker die passenden Informationen zur Maschine nicht finden können.
  • Ein Maschinenausfall, herbeigeführt durch ein unübersichtliches und schwer auszuwertendes Dashboard.

Diese Beispiele sind nicht nur extrem teuer, sie führen zu einem regelrechten Vertrauensbruch, der durch den Cloud-Anbieter nur schwer wieder zu beheben ist.

Eine gute UX weckt positive Emotionen beim Nutzer

Eine gute Nutzerführung und die Klarheit von Oberflächen und Interaktionen schaffen beim Nutzer Vertrauen in die Anwendung und sind schnell in tägliche Arbeitsabläufe integrierbar. Cloud-Anbieter, die im Entwicklungsprozess frühestmöglich auf die Stimme des Nutzers hören, Erkenntnisse aus diesem Feedback iterativ wieder in das Produkt einfließen lassen und die Emotionen des Nutzers ansprechen, haben in der Cloud die besten Chancen.

Denn: Funktional ausreichend und nutzbar sind viele Anbieter. Sich abzusetzen und unentbehrlich zu werden, ist dagegen die Garantie für den Erfolg eines Cloudproduktes.

Dazu kann die bestmögliche User Experience – der WOW-Effekt – aus einem reinen Arbeitswerkzeug eine vertrauensvolle Unterstützung für Entscheidungen im Arbeitsalltag werden lassen.

 

 

 

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Über den Autor

Andreas Klueter

Andreas Klüter, Diplom-Informatiker, konzentriert sich seit über 20 Jahren auf die Entwicklung innovativer Systeme zur intelligenten Informationsverarbeitung. Ab 1994 trug er am Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH) entscheidend zur Realisierung des weltweit ersten Forschungsprototyps „Verbmobil“ zur vollautomatischen Übersetzung gesprochener Sprache bei. Er beschäftigt sich außerdem mit Multimedia-Analysen, neuen Methoden der künstlichen Intelligenz sowie der technischen Kommunikation. Aus seiner Zeit als Entwicklungsleiter des im deutschsprachigen Raum führenden Krankenhausinformationssystems ORBIS bringt er profunde Kenntnisse der HealthCare-IT mit. Als CTO ist Andreas ein glühender Verfechter agiler Methoden – für Software, aber mit der „Lean-Startup“-Methode auch in der systematischen Entwicklung tragfähiger neuer disruptiver Geschäftsmodelle. Mit seinem Streben, auch Bewährtes immer wieder neu herauszufordern, treibt er die Fortentwicklung unserer innovativen Softwareprodukte und Cloud-Applikationen maßgeblich voran. Seine Mischung aus unbändiger Neugier und Risikobewusstsein setzt er privat beim Segelfliegen und Motorradfahren ein.

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